Menschlich gesehen - Profil der Woche
Bärbel Mohr - Das Drama des begabten Kindes
von Hans-Peter Hepe
Bärbel Mohr, eine unermüdliche Streiterin für die Autonomie des Geistes, erlag mit nur 46 Jahren ihrem Krebsleiden. Ich nehme Abschied von ihr mit den Worten von Albert Schweitzer:
Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann,
steht im Herzen seiner Mitmenschen.
Seit 12 Jahren hat Bärbel Mohr mit ihren Büchern viele tausend Menschen begeistert und berührt. Getrieben von der Sehnsucht nach einer wahrhaftigen, gerechten und moralischen Welt konnte sie andere anspornen, an sich zu arbeiten, um zu reifen und zu wachsen. Schwer tat sie sich, fremde und vor allem eigene Unvollkommenheiten anzunehmen.
Für mich hat Bärbel Mohr von klein auf versucht ein Musterkind zu sein. Um die Liebe ihrer Eltern nicht zu verlieren, die mit Lob gegeizt und überdurchschnittliche Leistungen als selbstverständlich ansahen, hat sie sich schon in sehr jungen Jahren bemüht, vollkommene Leistungen zu erbringen. Sie lernte die Bedürfnisse und Erwartungen von Vater und Mutter zu erfüllen - und verlor dabei den Zugang zu den eigenen Gefühlen und zu ihrem wahren Selbst. Es ist das „Drama des begabten Kindes“.
Viel zu früh musste sie wie eine Erwachsene handeln und Verantwortung für ihre Familie übernehmen, in der vermutlich ein Elternteil ausgefallen war, oder als ältestes Kind Vorbild für die jüngeren Geschwister sein. Sie versuchte gut zu sein, um nicht bestraft zu werden.
Sie wollte um jeden Preis verhindern, dass sie vom eigenen „Gewissen“ verdammt wird. Im Inneren von Bärbel Mohr wurde dauernd Gericht gehalten - sie war ihr eigener Ankläger, Verteidiger und Richter. Im Kampf gegen die Unvollkommenheit kämpfte sie wie Don Quijote gegen Windmühlen und träumte den unmöglichen Wunsch von „mentaler Autonomie“.
Unermüdlich erfüllte sie auch die Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Leser und Leserinnen und verlor sich selbst dabei. Im Kampf um eine bessere Welt gibt es keine Ferien. Der Drang, „gute Werke“ zu tun, hat sie in eine schreckliche Krankheit getrieben. Vor einem Jahr war bei Bärbel Mohr ein Burn-out festgestellt und fast zeitgleich brach ihre Krebserkrankung aus.
In der Soziologie des Körpers ist Burn-out nicht ein Ausdruck fehlender, sondern blockierter Energie und Krebs Ausdruck tiefer emotionaler Handlungen im Sinne anderer. Meiner Erfahrung nach hat sie 1 ½ Jahre vor ihrer Krebsdiagnose eine emotionale Erschütterung von Seiten ihr sehr nahestehender Personen erfahren und sich davon nicht mehr erholt. Sie fand einfach keine neue Position gegenüber der Unvollkommenheit des Anderen.
Liebe Bärbel Mohr, mit 46 Jahren bist Du viel zu früh von uns gegangen. Dein früher Tod soll für uns alle Anstoß und Erkenntnis sein, dass neben der mentalen Autonomie auch die soziale Autonomie ein weiterer wichtiger Grundpfeiler für ein gesundes und erfülltes Leben ist. Nicht nur der sehnlichste Wunsch, sondern die richtige soziale Handlung in der Begegnung mit anderen befreit uns.
10.11.2010 - Daniela Katzenberger
05.11.2010 - Bärbel Mohr
28.10.2010 - Thomas Edison (1847-1931)
22.10.2010 - Jörg Kachelmann
07.10.2010 - Sylvie van der Vaart
01.10.2010 - Lothar Matthäus
24.09.2010 - Amokläuferin von Lörrach


SocialProfiling®